Was Taxifahren mit Liebe zu tun hat oder die Wertigkeit der Hingabe

Immer wenn ich mit einem Taxi fahre, frage ich den oder die Fahrerin nach ihren spannendsten, schönsten oder bewegensten Geschichten. Denn wer, wenn nicht ein Taxifahrer trifft viele spannende Menschen? Alle steigen bei ihm ein, seien es die Betrunkenen die um 4 nach Hause fahren, die Reichen, die sich vom Theater heimfahren lassen, oder der Mann oder die Frau die sich gerade von ihren Partnern getrennt haben und weinend am Rücksitz sitzen. Sie alle öffnen die Tür zum Taxiauto und begleiten diesen Menschen eine Weile. Eine besonders schöne Geschichte, die mich sehr berührt hat, möchte ich heute mit euch teilen.

Der Mann neben dem ich an diesem Abend Platz nehmen durfte und der mich nach Hause fuhr, erzählte mir, dass er ein ganz besonderes Erlebnis hatte.

An einem Freitag abend um 9 Uhr stieg ein älterer Herr aus Neuseeland bei ihm in Salzburg ins Taxi. Er war vollkommen aufgelöst und sagte, er müsste unbedingt nach Wien, denn von dort würde sein Schiff gehen.

Der Taxifahrer fuhr mit ihm nach Wien, doch als sie an der Schiffsanlegestelle ankamen, war kein Schiff zu sehen. Der Mann rief seine Frau an, und diese bat ihren Mann das Telefon an den Taxifahrer weiterzugeben.

Sie erzählte dem Taxifahrer, dass ihr Mann Alzheimer hatte und schon eine zeitlang verschwunden war. Sie war wirklich auf einem Schiff, doch waren sie schon auf dem Weg nach Regensburg. Sie bat den Taxifahrer doch bitte auf ihren Mann aufzupassen und ihn nach Regensburg zu bringen.

So war es, der Taxifahrer nahm sich des Mannes an, und fuhr mit dem Mann nach Regensburg. In der Zwischenzeit, rief er noch die Rettung weil der Mann zuckerkrank war und seine Medizin nicht dabei hatte. Als sie in Regensburg ankamen, erzählte mir der Fahrer, erwartete sie ein berührendes Bild. Alle Passagiere standen auf der Reling und warteten auf den Mann.

Der Taxifahrer war erst am nächsten Tag um 14 Uhr wieder zuhause.

1 Monat später erhielt er eine Postkarte aus Neuseeland. Auf der Karte schrieb ihm der ältere Mann, wie dankbar er ihm für diese Fahrt war und dass das was er für ihn getan hatte, mehr als eine Taxifahrt war.

Mir blieb der Mund offen, was für eine schöne Geschichte, doch was mir der Taxifahrer danach noch erzählte, berührte mich umso mehr. Er sagte: „Weisst du viele sehen nur, dass wir ein Auto fahren und Leute von A nach B kutschieren, doch das ist es nicht. Es sind Menschen, die einsteigen, die einen haben sich gerade in einer Bar geprügelt, andere sind frisch verliebt, manche fahre ich ins Krankenhaus. All diese Menschen haben ihre Geschichten und ich fahre nicht nur dieses Auto, nein ich begleite sie ein Stück ihres Weges. Es ist für mich mehr als Menschen herumzufahren, es ist für mich eine Art von Dienen, ich gebe diesen Menschen etwas, manchmal meine Aufmerksamkeit, manchmal auch mein Schweigen, was auch immer sie gerade brauchen.

Ich bedankte mich für diese besondere Fahrt, ich hatte Gänsehaut.

Denn wie können wir dem was wir tun wirklich Bedeutung verleihen? Wie können wir mehr tun als eine mechanische Handlung? Vielleicht ist es die Intention warum wir es machen, der Gedanke hinter dem warum, der dem was wir Tag für Tag tun Bedeutung gibt. Manchmal glauben wir großes Vollbringen zu müssen, und dabei sind es oft die kleinen Dinge, die unvergessen bleiben.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine Zeit voller Begegnungen im neuen Jahr.

 

Alles Liebe Julia

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